Seismograph Kurzes Lob des Radio-Hosts

Sie entführen uns alltäglich in die mysteriöse Welt des Hörens und bleiben dennoch unnahbar - die Radio Moderator:innen.

Lukas Held

Lukas Held

Heute geht es um Simon - oder besser gesagt um sein Metier: Radio-Host oder Radio-DJ oder wie auch immer ihr euch selbst bezeichnen würdet. Denn, das, was die Radio-Hosts so machen, das hat schon etwas Magisches. Sie kreieren allein mithilfe ihrer Stimme eine Atmosphäre, die direkt in den Bann zieht; sie lenken nur mit ihrer Stimme die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen - man kann an der Tonlage schon erahnen, um welche Art von Meldung es sich handelt - und müssen aber zugleich genug Spannung aufrecht erhalten, damit man nicht abschaltet. Sie passen ihre Stimmung der Musik an, die sie anmoderieren, ja ihre Stimme wird selbst zu einer Art Melodie. Sie müssen immer genau so vorhersehbar sein, dass man sie wiederkennt und bei ihnen bleiben will - und sie müssen genau so unvorhersehbar sein, dass das Publikum ihnen nicht wegläuft.

Die sekularisierte Form des Priesters

Ich übertreibe vielleicht ein bisschen, aber wenn die Morning-Show eine säkularisierte Form des Gottesdiensts ist, dann ist der Radio-Moderator die säkularisierte Form des Priesters, der von seiner Kanzel herunter zu der ihm aufmerksam zuhörenden Menge spricht. Eine Person, die uns die frohen und die weniger frohen Botschaften bringt, diese mit der passenden Musik untermalt; die uns sagt, wovor wir uns in Acht nehmen sollen - Stau a Richtung Frankraich, Accident am Tunnel Grouft, Kéi ob der Strooss zu Wilwerdang, usw.; jemand der jeden Tag zur selben Zeit auf uns wartet, der uns vertraut ist und dem wir deshalb gerne vertrauen - und der zugleich unnahbar ist. Der Beweis: wie viele der Menschen, die uns gerade zuhören wissen, wie Simon Laroche eigentlich aussiehst?

Das Geplante Spontan wirken lassen

Der Radio-Moderator oder die Moderatorin ist im Grunde genommen eine Stimme. Bleiben wir einmal kurz bei dieser Macht der Stimme. Die Stimme ist das direkteste aller Medien, viel direkter als die Bilder. Denn die Ohren haben keine Lider so wie die Augen, die Stimme kann man sehr schwer auf Distanz halten. Deshalb hören wir der Stimme zu, wir horchen, wir ge-horchen - das hat alles dieselbe Etymologie. Und wir gehorchen, weil wir keine andere Wahl haben, denn die Welt der Hörens, in die die Radio-ModeratorInnen uns entführen, ist eine unvorhersehbare Welt. Wir wissen nicht, was jetzt kommt, welche Musik gespielt wird, wie laut sie sein wird, welche Stimmung beschworen wird, wir können uns nicht davor schützen - deshalb müssen wir uns ergeben. Man kann zwar etwas vorhersehen, aber eben nicht vorherhören. Darum sind wir, die ZuhörerInnen, ihnen, den Radio-ModeratorInnen, völlig ausgeliefert. Und deshalb sind sie auch immer so bemüht, uns mitzuteilen, was sie "dës Stonn prepareiert hunn" - sie versuchen uns vor ihnen selbst zu schützen. Aber sie entblößen sich auch vor uns, denn wir haben eben nur eure Stimme, aus der wir, die Zuhörer:innen, alles ableiten müssen. Es darf sich dabei kein Räusperer, kein Verhaspler, keine Rülpser und kein Schnaufer, also eigentlich nichts Natürliches einschleichen. Die Radio-Stimme ist eine sorgfältig präparierte Stimme, sie muss das Geplante spontan wirken lassen. Und sie spricht andauernd, diese Stimme, denn nichts ist störender, nichts problematischer als die Stille und das Schweigen. Deshalb beherrschen sie auch die hohe Kunst der Improvisation, also des Reagierens auf etwas, mit dem man nicht rechnet. In diesem Sinne: ein Lob auf die Radio-Moderatoren!

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