Klimawandel Den Tourismus zerstéiert d'Alpen

Haut fänkt d'Fuesvakanz un. A wéi ëmmer reesen dëser Deeg vill Leit fir de Wantersport an d'Alpen. Mee den Tourismus huet en negativen Effekt op d'Alperegiounen - an dat um sozialen, kulturellen, ekonomeschen an ekologesche Plang, seet de bekannten däitschen Alpefuerscher Werner Bätzing.

Pierre Reyland / cbi

Massentourismus an den Alpen
Symbolbild. Foto: Bigstock / Roberto Sorin

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Pierre Reyland: Welchen Einfluss hat der Tourismus auf die Alpen?

Werner Bätzing: Die Alpen sind in Europa ein sehr alter, dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum. Diese Stellung der Alpen in Europa geht heute verloren, indem kleinere Teilgebiete der Alpen übernutzt werden und extrem intensiv genutzt werden. Der größere Teil der Alpen fällt aus der Nutzung heraus, das heißt, dass die Menschen mit ihrem Wirtschaften sich zurückziehen.

Der Tourismus gehört zu dem Teil, bei dem die Alpen immer intensiver genutzt werden. Die touristische Nutzung konzentriert sich aber nur auf etwa 300 große Tourismuszentren und diese Konzentration wird im Laufe der Zeit immer stärker. Gerade der Skitourismus ist heute extrem stark räumlich auf wenige Orte konzentriert.

Nimmt der Massentourismus in den Alpen weiter zu?

Nein, der Tourismus stagniert seit 20 Jahren und hat keine Wachstumsraten mehr. Die Europäische Bevölkerung wird langsam etwas weniger, sie wird im Durchschnitt älter und es sind mehr Migranten in Europa, die keinen Bezug zum Schnee haben.

Heißt das, dass diese Stagnation aus Umweltsicht als positive Nachricht gesehen werden kann?

Nein, weil Stagnation heißt, dass wir einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb haben. Die großen Skigebiete werden immer größer zulasten der kleinen Skigebiete, die reihenweise zugemacht werden. Es ist also ein mörderischer Konkurrenzkampf.

Was sind denn die Konsequenzen auf die Umwelt?

Es fällt sehr viel Umweltbelastung an durch die lange Anfahrt mit dem privaten PKW.

Die zweite, sehr starke indirekte Belastung ist, dass die Orte, an denen die Skifahrer übernachten, stark verstädtern. Das waren früher kleine Bauerndörfer, heute sind es Städte, mitten im Alpenraum.

Was könnte man tun, um den Tourismus in den Alpen nachhaltiger zu gestalten?

Die zentrale Forderung ist, dass dieser mörderische Konkurrenzkampf gestoppt werden muss. Da ist das wichtigste Mittel: keine neuen Skigebiete ausweisen, keine Skigebiete zusammenlegen, keine Vergrößerung in die Höhe, um auf diese Weise die Dynamik der Großen aktiv zu stoppen.

Heute bietet jeder Ort das gleiche, austauschbare Angebot beim Skifahren an. Hier wäre es das Wichtigste, das Skifahren wieder mit der konkreten Region zu verbinden: das heißt die konkrete Natur, die konkrete Kultur, die konkrete Geschichte, die konkreten Ereignisse eines Ortes oder eines Tales zum Thema eines Winterurlaubs zu machen und nicht das austauschbare Produkt Abfahrtskilauf.

Die Alpen sind ein Barometer für den Klimawandel: Die Gletscher schmelzen. Sind die Alpen überhaupt noch zu retten?

Die Alpen zeigen den Klimawandel besonders deutlich. Die Klimaerwärmung im Alpenraum ist doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt. Das Rückschmelzen der Gletscher ist eigentlich das sinnlichste Moment wie man den Klimawandel sehen kann, erfahren kann, spüren kann. Das kann man richtig anfassen, wie die Gletscher schmelzen.

Aber wenn die Klimaerwärmung so weiter geht, dann werden in 50 bis 100 Jahren die Alpen weitgehend gletscherfrei sein und dann kriegen wir eine vollkommen neue Situation im Alpenraum und deswegen sage ich immer: Die Alpen sind das ökologische Frühwarnsystem in Europa.

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